„Rettet Berta vor dem Schlachthof und Kleinbauern vor dem Aus!“

Bayerischer Bauernverband protestiert gegen geplantes Tierschutzgesetz

Lesedauer 3 Minuten
Quelle: ro/Marina Meirich
06.11.2023

„Rettet Berta vor dem Schlachthof und Kleinbauern vor dem Aus!“ – unter diesem Motto stand eine Aktion des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am Wochenende.

Neuerung im Tierschutzgesetz

In Böbing demonstrierten am vergangenen Samstag mehrere Bauern aus dem Landkreis Weilheim-Schongau gegen die Durchsetzung des neuen Tierschutzgesetzes. Denn laut dem soll die Anbindehaltung von Kühen künftig komplett verboten werden. Bei uns im Oberland gibt es aber sehr viele kleinbäuerliche Betriebe, die die sogenannte „Kombinationshaltung“ betreiben. Das bedeutet, dass die Kühe teilweise auf der Weide oder Alm stehen und teilweise im Stall angebunden sind. Und das wäre durch die Neuerung nicht mehr erlaubt.

Kleinbauern vor dem Aus

Wolfgang Scholz ist Kreisobman im Landkreis Weilheim-Schongau und weiß: „Es gibt viele beengte innerorts Hofstellen, die das nicht leisten können. Oder selbst wenn sie wollten, nicht dürfen, weil der Umweltschutz und die Emissionsschutzordnung es verbietet, dass die Kuh draußen steht, wenn in unmittelbarer Nähe der Nachbar wohnt.“ Für viele Kleinbauern in der Region würde das neue Gesetzt also das Aus bedeuten. Sie müssten die Viehhaltung aufgeben, weil der Platz nicht da ist oder sie sich die nötigen Maßnahmen wie einen Freilaufstall nicht leisten können. Denn viele der Landwirte machen das im Nebenerwerb und haben nur wenige Kühe und kleine Wiesen.

Die möglichen Auswirkungen

Das hätte nicht nur gravierende Folgen für die Bauern selbst, sondern auch für die ganze Region. Denn wenn die Betriebe schließen müssen, stehen sie meist leer, weiß auch Böbinger Bürgermeister Peter Erhart. „Dann wird so ein Dorf zu einem reinen Wohnort. Es verliert viel an Sozialkompetenz, an althergebrachtem Leben im Dorf, das sich einfach was rührt. Und die ganze Struktur ändert sich.“ Und auch die Landschaft würde sich dadurch verändern. Denn die Biodiversität im Oberland, die bunten Weiden und Wiesen – all das haben wir der Alm- und Weidehaltung zu verdanken. Wenn das wegfällt, könnte es auch negative Auswirkungen für den Tourismus haben. Denn die kleinbäuerlichen Betriebe machen den Charme der Region aus.

Protestaktion "Rettet Berta"

In keinem anderen Bundesland gibt es so viel Anbindehaltung wie in Bayern. Mit der Aktion „Rettet Berta vor dem Schlachthof und Kleinbauern vor dem Aus!“ wollen die Bauern aus der Region dafür kämpfen, dass die Gesetzesänderung nicht durchgesetzt wird. Tierschutz ist ihnen dabei aber auch wichtig, meint Kreisobman Wolfgang Scholz. Und in den letzten Jahren hat sich da auch einiges getan: Tiere werden nicht mehr dauerhaft angebunden sein, die Ställe bieten mehr Licht, Platz und Luft.

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